Wie Dankbarkeit unser Leben verändert

Wie oft empfinden wir eigentlich Dankbarkeit – den Freunden, der Familie, dem Leben gegenüber für all das Gute, das uns widerfährt? Wir sind schnell traurig oder sauer, wenn etwas nicht klappt, aber dankbar, wenn etwas gut läuft? Dabei hat Dankbarkeit eine heilende Wirkung auf uns. Untersuchungen zeigen, dass Dankbarkeit das persönliche Glückslevel bis zu 25 Prozent heben und Antidepressiva bei leichten bis mittelschweren Depressionen ersetzen kann. Forscher bezeichnen sie als die kleine Schwester des Glücks.

Dankbarkeit

Vielleicht ist sie nicht so glanzvoll und hat weniger Strahlkraft als Glück, doch Dankbarkeit ist eine zuverlässige Weggefährtin. Sie ist das einzige Gefühl, das uns sagt, es ist gut so, wie es ist. Ein Gefühl, das nicht nach mehr strebt – mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Abwechslung –, sondern uns mit dem Hier und Jetzt verbindet und versöhnt. Dankbarkeit ist die Wertschätzung für das Leben selbst – für jene, die wir lieben; allem, was uns widerfährt oder uns umgibt.

Der Theologe und Philosoph Meister Eckart (1260-1328) hat es einst in Worte gefasst: „Wenn das einzige Gebet, das du während deines Lebens sprichst, ‚danke‘ heißt, würde das genügen.“ In manchen mögen diese Zeilen Unbehagen auslösen. Dankbarkeit kann auch mit einem Gefühl von Zwang oder Pflicht belegt sein: Wenn wir als Kind jemanden für ein Geschenk danken mussten, dass nicht unseren Wünschen entsprach. Diese Dankbarkeit aus Höflichkeit, aber nicht aus dem Herzen, fühlt sich auch heute noch lästig, unangenehm oder vielleicht geheuchelt an. Es ist eines der großen Missverständnisse unserer Gesellschaft: Dankbar zu sein, hat nichts mit Pflicht zu tun. Im Gegenteil: Sie ist eines der wundervollen Gefühle wie Liebe, Nähe oder Geborgenheit. Integrieren wir Sie wieder bewusst in unser Leben:

Warum es hilft, die Dankbarkeit zu konkretisieren

Ob außergewöhnlich oder schlicht − jedes Dankeschön hat eine wunderbare Wirkung. Wir Revue passieren: Wofür bin ich dankbar? Das können Kleinigkeiten sein – dass wir den Bus noch rechtzeitig erreicht haben oder dass die Sonne schien. Wichtig dabei ist es, für etwas Konkretes oder einer konkreten Person dankbar zu sein. Ein Beispiel: Es ist weniger wirksam, wenn wir dafür danken, dass wir gesund sind. Stärker ist der Effekt, wenn wir beispielsweise dafür dankbar sind, dass der Schnupfen abgeklungen ist. Das ist ein wichtiger Punkt, den die Dankbarkeitsforschung in den letzten Jahren herausgefunden hat. Um das Gefühl zu manifestieren, können wir auch drei bis fünf Dankbarkeitsmomente oder -gefühle notieren.

Warum es auch ein Zuviel an Dankbarkeit gibt

Jeder von uns hat einen persönlichen Dankbarkeits-Sättigungspunkt. Ist dieser erreicht, haben wir die maximale positive Auswirkung von Dankbarkeit auf uns selber erlangt, darüber hinaus gibt es in der Regel keine Steigerung. Wir finden diesen Punkt, indem wir ein Journal führen, in das wir einige Zeit täglich, einige Zeit jeden zweiten Tag und einige Zeit einmal die Woche aufschreiben, wofür wir dankbar sind. Während wir das tun, beobachten wir, wie sich unsere Stimmung verändert. So finden wir heraus, wie häufig es für uns angenehm ist, Dankbarkeit zu praktizieren.

Warum Dankbarkeit negative Emotionen nicht ersetzt

Eine gute Übung ist es auch, den schwierigen Aspekten im Leben gegenüber dankbar zu sein. Was konnte ich aus einer misslichen Lage lernen? Hat mich eine Person, die mich verärgert hat, womöglich in einer Verhaltensweise gespiegelt? Konnte ich an einer schwierigen Situation wachsen? Dabei ist es nicht das Ziel, negative Emotionen durch Dankbarkeit zu ersetzen – auch sie haben ihre Berechtigung. Die Dankbarkeit lenkt unseren Fokus nur auf die positiven Aspekte von Umständen, die wir als unangenehm oder schlecht bewerten.

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