Ujjayi: Eine yogische Übung für unseren Atem

So lange wir atmen, sind wir mit der Welt verbunden, heißt es. Doch unser Atem ist nicht nur die Brücke ins Leben, sondern auch zu uns selbst. In jedem Moment, in dem wir uns auf ihn konzentrieren, können wir mit unserer Aufmerksamkeit nicht in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen. Er bringt uns dazu, auf sanfte Weise im Hier und Jetzt zu verweilen – wenigstens einige Atemzüge lang.

“Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment.”

Buddha

Ujjayi: Die wichtigste yogische Übung für unseren Atem

Es ist eine magische Kraft, die von unserem Atem ausgeht, er hat sogar die Fähigkeit, unseren Geist zu beruhigen und das Bewusstsein in den Körper zu lenken. Die alten Yogis wussten seit jeher um seine Macht und setzten ihn als zentralen Bestandteil in ihrer Yoga-Praxis ein – Pranayama, die yogischen Atemübungen. „Der Atem ist das Wesentliche im Yoga, da er das Wesentliche im Leben ist – und im Yoga geht es um das Leben“, brachte es Tirumalai Krishnamacharya, einer der größten indischen Yoga-Lehrer auf den Punkt.

“Jeder Atemzug ist eine Perle von unschätzbarem Wert. Sei deshalb aufmerksam und hüte jeden Atemzug gut. Die Atemzüge sind gezählt.”                        

Sufi-Weisheit

Eine der wichtigsten und vielleicht bekanntesten Pranayama ist die Ujjayi-Atmung. Das Wort Ujji heißt erobern, deswegen wird Ujjayi auch gerne die Siegeratmung genannt. Wieder andere geben ihr den Beinamen ozeanische Atmung, da bei der Praxis ein Rauschen in der Kehle entsteht, das an Meereswellen erinnert. Ujjayi soll eine der effektivsten Atmungen sein, um Ruhelosigkeit und Stress zu überwinden sowie Körper und Geist zu entspannen. Und somit eignet sie sich besonders vor dem Einschlafen. Allerdings raten einige Experten davon ab, Ujjayi bei Depressionen, bestehenden Traumata, Schilddrüsenproblemen und Bluthochdruck zu praktizieren.

So funktioniert der Ujjayi-Atem:

  1. Wir nehmen eine angenehme und stabile Sitzhaltung ein. Rumpf, Nacken und Kopf sind dabei aufgerichtet. Gesicht und Schultern sind entspannt. Die Hände ruhen auf den Knien, Zeigefinger und Daumen können sich dabei berühren. Wir weiten den Herzraum und kommen zur Ruhe.
  2. Wir atmen langsam ein. Wie eine sanfte Woge füllen wir unsere Atemräume von unten nach oben. Dann atmen wir in umgekehrter Richtung – von oben nach unten – wieder aus. Nach einige Atemzügen beginnen wir mit der eigentlichen Ujjayi-Praxis: Ein- und Ausatmung werden von dem typischen Ujjayi-Ton begleitet.
  3. Den Klang bewirken wir, in dem wir die Stimmritze im Kehlkopf verengen. Dafür atmen wir zuerst über die Nase ein und hauchen oder sprechen beim Ausatmen ein „haa“, als würden wir einen Spiegel anhauchen. Das praktizieren wir einige Atemzüge lang und spüren dabei in den Kehlkopf.
  4. Dann schließen wir den Mund beim „haaa“-Ausatmen und atmen weiter durch die Nase ein und aus, ohne das Gefühl im Kehlkopf zu verlieren. Dabei entsteht das Rauschen in der Kehle.
  5. Wir nehmen uns für die Ein- und Ausatmung jeweils drei bis vier Herzschläge Zeit. Wer Mühe hat, seinen Herzschlag zu erleben, zählt einfach in seinem Inneren.
  6. Es genügt vollkommen, wenn der Klang sanft ertönt, wir müssen unseren Kehlkopf nicht anstrengen, um ein lautes Rauschen zu erzeugen.
  7. Wir beobachten, wie der Atem gleichmäßig fließt und bleiben so lange in der Ujjayi-Atmung, wie es sich gut anfühlt.
  8. Dann beenden wir unsere Praxis, indem wir die Hände vor dem Herzen zusammenführen und ein Om chanten.

Will uns die Ujjayi-Atmung nicht gleich gelingen, machen wir uns keinen Druck – sie erfordert ein bisschen Übung. Doch haben wir das Geräusch einmal im Kehlkopf erzeugt, wird es uns leichtfallen, die Pranayama-Übung auch in unsere Yoga- oder Meditations-Praxis einzusetzen und unseren Atem fließen zu lassen – als Verbindung in die Welt und zu unserem tiefsten Selbst.

“Aus Erfahrung können wir mit Sicherheit sagen, dass keine körperliche Praxis auch nur ein Hundertstel der Wirksamkeit des Pranayama hat.”

Swami Kuvalayananda, indischer Yoga-Meister

Noch mehr wissenswertes über die Macht des Atmes schreibt Ralph Schumann in seinem Buch “Pranayama – Die heilsame Kraft des Atems“, Aquamarin Verlag.

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