Gebetsfahnen – die Boten der Wünsche

Gebetsfahnen die Boten der Wünsche

Wem soll ich meine Wünsche anvertrauen? Wer geht achtsam mit ihnen um? Wünsche sind etwas sehr Persönliches – sie geben etwas von unserem Inneren preis, von unseren tiefsten Sehnsüchten. Seit jeher hüten sie viele Menschen deswegen wie einen Schatz oder schicken sie als Gebete an die Götter und das Universum. Im tibetischen Buddhismus gibt es für den Umgang mit Wünschen und Gebeten eine sehr schöne Tradition: In Tibet, aber auch in Indien, Nepal und Bhutan hängen die Menschen bunte Gebetsfahnen auf.

Diese Gebetsfahnen sind mit Mantren, wie dem uralten Mantra der Liebe und des Mitgefühls „Om mani padme hum“, beschrieben und zeigen Abbildungen wie die Krafttiere der vier Himmelsrichtungen – der Garuda, der Drache, der Tiger und der Schneelöwe. Wer die Mantren liest, erfährt die Unterstützung, die er braucht, um den Weg der Erleuchtung gehen zu können, so besagt es der Buddhismus. Auch die fünf traditionellen Farben der Gebetsfahnen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie verkörpern zum einen auch die vier Himmelsrichtungen sowie die Stupa, das Zentrum. Zum anderen stehen sie für die Elemente. Blau symbolisiert den Himmel und damit den Raum und die Leere; Weiß die Luft, die Wolken und den Wind; Rot steht für das Feuer, Grün für das Wasser und Gelb für das Erdelement.

Wie die Gebetsfahnen das Glück zu den Menschen bringen

Mit dem Aufhängen der Gebetsfahnen bitten die Menschen um Segen, Glück, Gesundheit, langes Leben und Reichtum für alle Lebewesen und das gesamte Universum. In der Regel werden sie an hohen Stellen und über Bäume angebracht. Aber auch an Häusern kann man sie entdecken, dann sollen sie die Bewohner segnen und ihre Wünsche erhören. Um die Chance auf Erfüllung der Wünsche zu erhöhen, werden die Gebetsfahnen an Tagen, die Glück verheißen (Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag), gehisst und wenn die Sterne günstig stehen.

Der Wind trägt die Wünsche, Segnungen und Gebete dann zu allen Wesen und sendet sie in den Himmel. So werden sie zum Teil des Universums. Ist das tibetische Windpferd abgebildet, sollen die Wünsche übrigens noch schneller in den Himmel gelangen. Die Gebetsfahnen bleiben so lange hängen, bis Wind und Wetter sie zerrissen und ausgeblichen haben. Erst dann haben sie ihre Bestimmung erfüllt. Und selbst wenn die flatternden Stoffreste vielleicht etwas anderes vermuten lassen: Die Gebetsfahnen haben bei den Gläubigen einen hohen Stellenwert und werden respektvoll behandelt. So darf man sie beispielsweise nicht auf den Boden legen oder mit den Füßen berühren, da die Mantras und Symbole heilig sind.

Die Buddhisten haben ihren Weg gefunden, um ihre Wünsche an das Universum zu übergeben. Doch auch wer nicht diesem Glauben angehört, kann seinen Sehnsüchten Raum schenken. In Anlehnung an die Gebetsfahnen gibt es Wunschfähnchen, die wir aufhängen können oder unseren Liebsten übergeben – und ihnen von Herzen das Beste wünschen.

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